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Maßstäbe & Lehren – Prüfmittel für Gewinde, Passungen und Schweißnähte
Bevor gebohrt, geschweißt oder gefräst wird, muss das Maß auf das Werkstück – und danach muss jemand prüfen, ob es dort geblieben ist. Für beides liegt hier das Werkzeug: biegsame Stahlmaßstäbe und Bandmaße zum Abgreifen und Anreißen, Anschlagwinkel und Streichmaße für rechtwinklige und parallele Risse, Senklote für die Lotrechte am Bau. Auf der Prüfseite stehen Fühlerlehren für Spaltmaße, Gewindeschablonen und Gewindelehrdorne zum Bestimmen von Steigung und Profil, Konturenlehren zum Abnehmen unregelmäßiger Formen, Schweißnahtlehren für Nahtdicke und Überhöhung sowie Schleiflehren, mit denen ein von Hand nachgeschärfter Spiralbohrer wieder in Form kommt.
Ein eigener Zweig richtet sich an die Fahrzeugtechnik. Lehren für Bremsbelagstärke, Bremstrommeldurchmesser und Reifenprofiltiefe beantworten am Fahrzeug die einzige Frage, die dort zählt: noch im zulässigen Bereich oder nicht. Dazu kommen Nachschlagehilfen für Konstruktion und Fertigung – Passungsschieber, Toleranzschlüssel und Gewindeanzeiger übersetzen eine Kurzbezeichnung oder eine gemessene Steigung in die zugehörigen Werte, ohne dass Sie erst eine Tabelle suchen müssen.
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Messen oder Lehren – was brauchen Sie wirklich?
Ein Messgerät liefert eine Zahl, eine Lehre liefert eine Entscheidung: passt oder passt nicht. Für die Fertigung ist das oft der schnellere und sicherere Weg, denn eine Lehre hängt kaum vom Geübtheitsgrad des Prüfers ab und braucht keine Ablesung. Wer hundert gleiche Bohrungen kontrolliert, greift zum Grenzlehrdorn; die genaue Zahl wird erst interessant, wenn ein Prozess nachgestellt werden muss.
Zur Familie der Lehren gehören neben Lehrdornen auch Fühlerlehren für Spaltmaße, Gewindelehren und Gewindeschablonen zum Bestimmen von Steigung und Profil, Radien- und Schweißnahtlehren sowie Prüfwinkel. Maßstäbe und Bandmaße stehen daneben für das Anreißen und Ablegen von Maßen, bei denen es um Zehntel und nicht um Hundertstel geht.
Gut- und Ausschussseite richtig anwenden
Grenzlehren tragen zwei Seiten. Die Gutseite ist auf die eine Toleranzgrenze gefertigt und muss sich ohne Kraft, allein durch ihr Gewicht, vollständig einführen lassen. Die Ausschussseite entspricht der anderen Grenze, ist kürzer ausgeführt und meist rot gekennzeichnet; sie darf nicht eintreten. Bei Gewindelehrdornen wird zugestanden, dass die Ausschussseite wenige Gänge fasst und dann klemmt.
Der größte Fehler ist Kraft. Wird eine Lehre eingedreht oder eingedrückt, verschleift sie sich selbst und liefert ein falsches Urteil – danach läuft die Fertigung mit einer zu großzügigen Lehre weiter. Lehren sind Verschleißteile: Halten Sie sie sauber und leicht geölt, legen Sie sie nie lose zwischen Werkzeuge und prüfen Sie sie in sinnvollen Abständen gegen ein übergeordnetes Normal.
Was Klassen und Kennzeichnungen bedeuten
Längenmaße wie Gliedermaßstäbe und Bandmaße tragen eine Genauigkeitsklasse. Klasse III ist der übliche Zollstock für den Bau, Klasse II erlaubt geringere Abweichungen und ist bei besseren Stahlbandmaßen zu finden; die zulässige Abweichung wächst dabei mit der Länge. Prüfwinkel und Haarlineale werden nach DIN 875 in die Genauigkeitsgrade 00, 0, 1 und 2 eingeteilt – die hohen Grade dienen als Bezug für die eigene Prüfmittelüberwachung, zum Anreißen genügt ein niedrigerer.
Bei Passungen steht der Buchstabe für die Lage des Toleranzfeldes, die Ziffer für dessen Größe, jeweils bezogen auf den Nenndurchmesser. Eine Lehre ist immer für genau eine Passung gefertigt: Mit einer Lehre für ein enges Toleranzfeld lässt sich eine weiter tolerierte Bohrung nicht sinnvoll beurteilen, weil deren zulässige Grenze gar nicht abgebildet ist. Parallelendmaße wiederum dienen nicht dem direkten Prüfen, sondern dem Einstellen und Kontrollieren anderer Messmittel.
Anreißen und Prüfen ohne eingebaute Fehler
Nehmen Sie alle Maße von einer einzigen Bezugskante ab. Wer von Markierung zu Markierung weitermisst, addiert bei jedem Schritt einen kleinen Fehler, und am Ende der Reihe stimmt nichts mehr. Reißen Sie mit einer feinen Spitze an, nicht mit dem Bleistift, und behandeln Sie blankes Metall mit Anreißfarbe, damit der Riss sichtbar bleibt. Ein Höhenreißer arbeitet nur so genau wie die Fläche, auf der er steht.
Beim Ablesen von Maßstäben schauen Sie senkrecht auf die Teilung, sonst verschiebt der Blickwinkel das Ergebnis; legen Sie die Teilungskante direkt an das Werkstück an, statt vom oft verschlissenen Ende des Maßstabs zu messen. Zum Prüfen von Ebenheit und Winkligkeit hat sich der Lichtspalt bewährt: Lineal oder Winkel anlegen, gegen eine helle Fläche schauen – schon wenige Hundertstel zeichnen sich als sichtbarer Spalt ab.