Schmierstoffe, Fette & Öle – Schmierung und Kühlung für Maschine und Werkstatt

Schmierfett, Schneidöl, Kettenspray

Jede Schmierstelle stellt eigene Ansprüche – und der falsche Schmierstoff richtet dort mehr Schaden an, als gar keiner nützen würde. In dieser Gruppe finden Sie Schmierfette für Kartusche und Dose, Sprühschmierstoffe für Ketten, Drahtseile und offene Zahnräder, Öle für Hydraulik, Pneumatik und Feinmechanik sowie Montage-, Kupfer- und Reifenmontagepasten. Dazu kommen Kühlschmierstoffe für die Zerspanung, Fettpressen für den Auftrag und Bindemittel für das, was danebengeht.

Die Gruppen lassen sich an ihrer Aufgabe auseinanderhalten. Fette und Sprühschmierstoffe versorgen Lager, Gelenke, Ketten und Führungen dauerhaft und bleiben dort liegen, wo sie aufgetragen wurden. Öle gehören dorthin, wo umgewälzt, gekühlt oder fein dosiert geölt wird – von der Hydraulik über die Wartungseinheit der Druckluft bis zum Scharnier. Pasten wiederum schmieren nicht im engeren Sinn: Sie sitzen zwischen Gewinde, Bolzen und Sitzflächen, damit sich eine Verbindung nach Wärme und Zeit überhaupt wieder lösen lässt.

Für die Auswahl zählen Temperaturbereich, Belastung und Umgebung der Schmierstelle. Wo Lebensmittel im Spiel sind, ist eine Freigabe nach NSF H1 Pflicht; an heißen Lagern gehört ein Hochtemperaturfett hin und an stoßbelasteten Stellen eines mit Hochdruckzusatz.

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Fett oder Öl – was gehört an welche Schmierstelle?

Die Entscheidung fällt nicht nach Gefühl, sondern nach Bauart der Schmierstelle. Schmierfett bleibt dort liegen, wo es aufgetragen wurde, dichtet die Stelle nebenbei gegen Staub und Spritzwasser ab und eignet sich deshalb für Lager, Gelenke, Bolzen und Führungen ohne Umlaufschmierung. Schmieröl dagegen fließt: Es nimmt Wärme auf und schwemmt Abrieb aus der Reibstelle heraus, weshalb Getriebe, Umlaufsysteme und schnell drehende Lager mit Öl arbeiten. Als Faustregel gilt: Je höher die Drehzahl und je stärker die Erwärmung, desto eher Öl – je schmutziger die Umgebung und je schlechter die Abdichtung, desto eher Fett.

Sprühfette liegen zwischen beiden Welten. Sie werden dünnflüssig ausgebracht, kriechen in enge Spalte und bauen erst nach dem Ablüften des Treibmittels ihren zähen Schmierfilm auf. Genau dieses Verhalten braucht man an Ketten, Drahtseilen und offenen Zahnrädern, wo ein Fett aus der Kartusche nie bis in die Gelenke gelangen würde. An geschlossenen Lagern mit Schmiernippel bleibt die Fettpresse dagegen die sauberere und sparsamere Lösung.

Was NLGI-Klasse und die Kurzzeichen nach DIN 51502 verraten

Die NLGI-Klasse beschreibt die Konsistenz eines Fettes, nicht seine Belastbarkeit. Niedrige Klassen sind weich bis nahezu fließfähig und lassen sich über Leitungen und Zentralschmieranlagen fördern, mittlere Klassen entsprechen dem üblichen Werkstattfett aus Kartusche und Dose, hohe Klassen sind fast blockfest. Ein zu weiches Fett wird aus einer schlecht abgedichteten Stelle herausgeschleudert, ein zu festes erreicht den Schmierspalt erst gar nicht.

Das Kurzzeichen nach DIN 51502 steht meist direkt auf dem Gebinde und ist in Sekunden gelesen. Der erste Buchstabe nennt die Art des Schmierstoffs, ein folgendes P weist auf Hochdruckzusätze hin, die Ziffer ist die NLGI-Klasse und die Zahl am Ende gibt die untere Gebrauchstemperatur an. Damit lässt sich schon vor dem Kauf prüfen, ob ein Fett den Temperaturbereich und die Flächenpressung der Anwendung überhaupt abdeckt. Zusätze wie MoS2 oder Graphit sind Festschmierstoffe: Sie tragen dann, wenn der Ölfilm bei Stößen oder im Anfahrmoment kurzzeitig zusammenbricht.

Der häufigste Fehler: zwei Fette mischen

Jedes Fett besteht aus einem Grundöl und einem Verdicker, und diese Verdicker vertragen sich nicht zwangsläufig miteinander. Trifft ein Lithiumfett auf ein Fett mit anderem Seifentyp, kann die Mischung erweichen und aus dem Lager laufen oder umgekehrt verhärten, bis der Schmierfilm abreißt. In beiden Fällen ist die Stelle schlechter versorgt als vorher. Wer den Schmierstoff wechselt, sollte die alte Füllung deshalb möglichst vollständig herausdrücken oder auswaschen.

Der zweite Klassiker ist schlicht zu viel Fett. Ein randvoll gepresstes Wälzlager muss die überschüssige Masse bei jeder Umdrehung umwälzen, erwärmt sich dadurch spürbar und altert schneller, als wenn es sparsam gefüllt wäre. Meist ist deutlich weniger richtig, als eine Fettpresse in einem Zug ausbringt.

Kupferpaste, Silikon und PTFE – wofür die Spezialisten gedacht sind

Nicht alles in dieser Kategorie ist ein Schmierstoff im engeren Sinn. Kupfer- und Keramikpasten sind Montagepasten: Sie sollen das Festbrennen und Festrosten von Verschraubungen bei hohen Temperaturen verhindern, tragen selbst aber kaum Last und gehören dünn aufgetragen – nicht auf Bremsflächen und nicht auf Sensoren. Silikonspray pflegt Gummi und Kunststoff und wirkt als Trennmittel, hinterlässt aber Rückstände, die spätere Lackier- und Klebearbeiten stören. PTFE-Spray bildet einen trockenen Film, der keinen Staub bindet, und ist überall dort sinnvoll, wo geölte Stellen sonst verharzen würden. Schmierstoffe für den Lebensmittelbereich erkennen Sie an der Registrierung nach NSF H1, die für Anlagen mit gelegentlich möglichem Produktkontakt gefordert wird. Und noch ein Hinweis zur Praxis: Reinigen Sie die Schmierstelle und den Nippel vor dem Abschmieren, sonst pressen Sie den Schmutz mit ins Lager.